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Sächsische Textil- und Modehersteller mit echter und gefälschter Ware im EU-Parlament

Europaminister Dr. Jürgen Martens eröffnet Ausstellung in Brüssel

 

VON STEFAN MÖBIUS

 

Chemnitz / Brüssel, 25. Okt. 2010 Die sächsische Textil- und Bekleidungsindustrie macht an exponierter Stelle und mit prominenter Unterstützung gegen die um sich greifende Produkt- und Markenpiraterie in der Branche mobil: Sachsens Staatsminister für Justiz und Europa Dr. Jürgen Martens eröffnet am Dienstag, 26. Oktober 2010, im EU-Parlament in Brüssel eine Ausstellung mit dem Titel „Echt gefälscht“. Die bereits mit Erfolg in Deutschland gezeigte Schau ist Teil einer vom Freistaat Sachsen unterstützten Aufklärungskampagne für Hersteller, Händler und Verbraucher. Bertram Höfer, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie e.V. (vti), dankte dem Minister und der Vertretung Sachsens bei der EU für die organisatorische Vorbereitung des Ereignisses. Besonderen Dank richtete er an den Leipziger EU-Parlamentsabgeordneten Holger Krahmer (FDP), der sich maßgeblich für das Zustandekommen der ersten derartigen Schau im EU-Parlament engagiert hatte. Für die Ausstellungseröffnung haben sich zahlreiche internationale Gäste angesagt, darunter eine Delegation aus der sächsischen Textilindustrie. Die Exposition ist bis 29. Oktober zu sehen.

 

vti: Betrug am Kunden, Gefahr für die Gesundheit und Schaden für die Wirtschaft

 

„Mit ‚Echt gefälscht’ wollen wir sowohl die Abgeordneten als auch die vielen Besucher des EU-Parlaments für dieses äußerst brisante Thema sensibilisieren“, erklärte Bertram Höfer. „Fälschung und Vertrieb von textilen Markenprodukten sind nicht nur Betrug am Kunden, der sich obendrein einer Gesundheitsgefährdung aussetzt. Produktpiraterie schadet zudem der europäischen Wirtschaft erheblich. Allein die die sächsische Textil- und Bekleidungsbranche verzeichnet jährlich Umsatzeinbußen von rund 5 Mio. EUR. Das hat in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 1.200 Arbeitsplätze gekostet.“

 

Die mehrsprachige Ausstellung zeigt Gegenüberstellungen von Fälschungen und Originalen, u. a. Frottierwaren der Fa. Jörg Brändl Geyer, Damast-Gewebe der Firmen Curt Bauer GmbH Aue und Ertex Jacquard Rodewisch, Spitzendecken der Funke Stickerei GmbH Eibenstock, Socken der Falke Strumpffabrik GmbH Zwönitz, Plauener Spitze der Stickperle GmbH Falkenstein, Berufsbekleidung der Güldi-Moden GmbH Limbach-Oberfrohna, Kunstleder der Vowalon Beschichtung GmbH Treuen, Naturseidestoffe der Plauener Spinnhütte GmbH, und Sympatex-Erzeugnisse der Ploucquet Textiles Zittau GmbH.

 

In Sachsen und in Berlin hatten sich insgesamt 18.000 Besucher in der Ausstellung informiert. Sie klärt ebenso wie die Homepage www.echtgefaelscht.de sowie andere Bestandteile der seit 2008 geführten Kampagne über die kriminellen Machenschaften von Produkt- und Markenpiraten auf. Projektpartner in der Umsetzung sind neben dem vti die Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft gGmbH (bsw), die RKW Sachsen GmbH und das Sächsische Textilforschungsinstitut, Chemnitz (STFI). www.echtgefaelscht.de

 

 

Zahlen & Fakten zur Marken- und Produktpiraterie

 

Wegen Marken- und Produktfälschungen erleidet die deutsche Wirtschaft jährlich Umsatzverluste in einer Höhe von bis zu 50 Mrd. EUR. Das entspricht einem Volumen von nahezu 100.000 Arbeitsplätzen.

 

Die vorsätzliche Verletzung von gewerblichen Schutzrechten (Patent, Gebrauchsmuster, Geschmacksmuster bzw. Design, Marke und Urheberrecht) wird erleichtert durch die weltweite Liberalisierung des Handels und den ungehinderten Transfer von Technologien und Know-how.

 

Wie aus dem Bericht "Kampf gegen die Produktpiraterie" der EU-Kommission vom Juni 2009 hervorgeht, haben die EU-Zollbehörden in den beiden vorangegangenen Jahren 79 Millionen nachgeahmte und gefälschte Waren sichergestellt.

 

Im selben Bericht teilte die Kommission mit, dass die Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten aufgrund der ständigen Zunahme von gefälschten Produkten in jedem Bereich eingehend geprüft werden und so der Kontrollmechanismus innerhalb der EU verstärkt werden kann. Die öffentliche Konsultation zur Vereinfachung der Rechtsvorschriften ist am 7. Juni 2010 beendet worden. Auf dieser Grundlage unterbreite die Kommission Ende des Jahres einen Legislativvorschlag.

 

Das seit Jahren verhandelte globale Abkommen gegen Produktpiraterie ACTA (Anti- Counterfeiting Trade Agreement) steht unmittelbar vor dem Abschluss. Die wichtigsten Vertragspartner sind die EU, Japan und die USA.

 

 

 

Die Textil- und Bekleidungsbranche der neuen Bundesländer

 

Die Textil- und Bekleidungsindustrie in Sachsen zählt gegenwärtig rund 11.700 Beschäftigte. Damit ist der Freistaat das größte ostdeutsche „Textilland“. Insgesamt arbeiten in den neuen Bundesländern, dem Verbandsgebiet des vti, rund 17.000 Menschen in der Branche. 42 Prozent des Produktionsvolumens entfallen auf Technische Textilien für vielfältige Anwendungsgebiete, 30 Prozent auf Heimtextilien sowie 28 Prozent auf Mode und Bekleidung. Die Region Sachsen/Thüringen gehört neben Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern zu den wichtigsten deutschen Textilstandorten. Im Geschäftsjahr 2009 belief sich der Umsatz der ostdeutschen Textil- und Bekleidungsbranche auf 1,75 Mrd. EUR. Das waren 190 Mio. EUR weniger als 2008. www.vti-online.de

 

 

Presse-Kontakt:

Bertram Höfer, vti-Hauptgeschäftsführer, Tel. 0371 – 53 47 247

Egon Leistner, vti-Projektleiter „Echt gefälscht“, Tel. 0371 – 53 47 272

Stefanie Rehm, Sachsen-Vertretung bei der EU, Tel. 0152 – 226 77 953

 

vti-pressedienst, Nr. 17, 25. Oktober 2010

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