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Ostdeutsche Textilindustrie erwartet Umsatzminus

Rückgang beträgt etwa ein Prozent / Verband mahnt maßvolle Tarifforderungen an

 

Chemnitz. Die ostdeutsche Textil- und Bekleidungsindustrie rechnet für dieses Jahr mit einem Umsatzminus. Das Wachstum der letzten fünf Jahre sei gestoppt, sagte Bertram Höfer, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie (vti), gestern in Chemnitz. „Wir können das sehr gute Ergebnis des Vorjahres nicht wiederholen'', so Höfer.

Er rechne zum Jahresende mit einem Gesamtumsatz von rund 1,8 Milliarden Euro - ein Rückgang von etwa einem Prozent im Vergleich zu 2007. Im Vorjahr hatte das Plus gegenüber 2006 noch sechs Prozent betragen. In ganz Deutschland werde das diesjährige Mi­nus voraussichtlich deutlich über zwei Prozent liegen. „Der konsumabhängige Modebereich verzeichnet Einbußen, wogegen der Textilsektor unterm Strich ein leichtes Plus verzeichnen dürfte", so der Hauptgeschäftsführer. Die Mitarbeiterzahl sei in Ostdeutschland 2008 „erfreulicherweise“ geringfügig gewachsen – bundesweit ging sie um knapp vier Prozent zurück. Nach Erhebungen des vti arbeiten zurzeit mehr als 18.000 Beschäftigte in den ostdeutschen Firmen, davon 12.000 in Sachsen und 3.000 in Thüringen.

Für 2009 sieht Höfer einige Probleme auf die Branche zukommen: „Die krisenbedingte Kaufzurückhaltung wird sich zwangsläufig auf die Heimtextil- und Modehersteller auswirken", befürchtet er. Auch der Bereich der technischen Textilien - er trägt über 40 Prozent zum ostdeutschen Branchenumsatz bei - komme in schweres Fahrwasser. Zulieferer für den Automobilbau spüren laut Höfer bereits die rückläufige Nachfrage. Der vti befürworte deshalb staatliche Konjunkturmaßnahmen, die den Verbrauch ankurbeln. „Wir hoffen zudem, das ostdeutsche Firmen bei öffentlichen Aufträgen wie der Neueinkleidung der sächsischen Polizei zum Zuge kommen."

Besonders ärgerlich sei angesichts der Wirtschaftslage die Marken- und Produktpiraterie. „In ihrer Folge erlei­det die sächsische Textil- und Bekleidungsindustrie jährlich Umsatzeinbußen von rund fünf MilIionen Euro“, sag­te Höfer. Das habe in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 1.200 Jobs ge­kostet. Betriebe unterschiedlicher Sparten berichteten zudem von Schwierigkeiten mit ihren Kreditlinien bei Ban­ken. „Das alles geschieht vor dem Hintergrund exorbitant hoher Energiepreise, die im Osten nach wie vor über denen im Westen liegen." Höfer forderte deshalb „Maßhalten“ für die anstehenden Tarifverhandlungen in der ostdeutschen Branche.

Helga Röstel

 

Leipziger Volkszeitung, 19. Dezember 2008, S. 6

 

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