AlarmierendVerlustreichGefährlichSchützenswert  
0st-Textilbranche im Tief

Unternehmen verzeichnen hohe Umsatzeinbußen und nennen Produktpiraterie als großes Problem

 

Waldheim. Die ostdeutsche Textilindustrie ist hart von der Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen. Nach einem massiven Umsatzeinbruch hofft die Branche jedoch auf eine Besserung im zweiten Halbjahr.

 

„Wir hätten nicht gedacht, dass es so dramatisch wird", sagte gestern Bertram Höfer, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie (vti), anlässlich der Jahresmitgliederversammlung in Waldheim. Nach einem jahrelangen Umsatzwachstum verzeichnete die Branche in den vergangenen Monaten herbe Einbrüche. Im ersten Quartal dieses Jahres verbuchten die Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten einen Umsatzrückgang von 18,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dabei sei insbesondere der Auslandsumsatz mit einem Minus von 21,6 Prozent eingebrochen, sagte Höfer. Im vergangenen Jahr lagen die Gesamterlöse der Branche bei 1,5 Milliarden Euro, das waren 2,9 Prozent weniger als 2007.

„Wir haben ein sehr schwieriges Jahr vor uns", sagte Werner Weitz, der gestern zum neuen Vorstandsvorsitzenden des Verbandes gewählt wurde. Dennoch gebe es Signale, die als „Licht am Ende des Tunnels" gelten könnten. So sei die Stimmung in den Unternehmen wieder besser. „Wir hoffen, dass es uns im zweiten Halbjahr gelingt, die Talsohle zu durchschreiten." Dabei werde der Absatzmarkt hauptsächlich in Europa liegen, da die Märkte in den USA und Asien derzeit sehr instabil seien.

Hinzu komme, dass die Branche massiv von Marken- und Produktpiraterie betroffen sei. Infolge solcher Fälschungen erleide allein die sächsische Textil- und Bekleidungsindustrie jährlich Umsatzeinbußen von rund fünf Millionen Euro, sagte Höfer. Christoph Löning, Chef der Plauener Spinnhütte, spricht von sechsstelligen Verlusten, die seinem Unternehmen durch solche Plagiate entstehen. Vor allem in China würden Firmen die Markenprodukte der Sachsen nachahmen und billig verkaufen. Allerdings sieht Löning auch wenig Chancen, diesen kriminellen Machenschaften rechtlich beizukommen. „Wir können die Fälscher zwar verklagen, aber dadurch entstehen so hohe Kosten, die sich ein Unternehmen unserer Größenordnung nicht leisten kann." Die Plauener Spinnhütte exportiert mit rund 60 Prozent einen Großteil ihrer Ware ins Ausland, insbesondere nach Asien. Das Unternehmen verbuchte 2008 Umsatzrückgänge im zweistelligen Bereich.

Allerdings wirken sich die Einbußen der ostdeutschen Textilbranche nicht in gleichem Maße auf die Beschäftigung aus. Im ersten Quartal ging die Zahl der Mitarbeiter in den größeren Betrieben um fünf Prozent auf 11633 zurück. Etwa 25 Prozent der Firmen nutzen derzeit das Instrument der Kurzarbeit.

 

Sabine Schanzmann-Wey

 

Leipziger Volkszeitung, 19. Mai 2009


Copyright © 2008 vti-online.de - Alle Rechte vorbehalten -