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Plagiate im europäischen Parlament

Sächsische Textil- und Modehersteller wollen mit der Ausstellung „Echt gefälscht" breite Öffentlichkeit sensibilisieren

 

VON RAMONA NAGEL

 

Brüssel. Die sächsische Textil- und Bekleidungsindustrie macht jetzt mit prominenter Unterstützung auf die Produkt- und Markenpiraterie aufmerksam. Heute eröffnet Sach­sens Staatsminister für Justiz und Europa, Jürgen Martens, im EU-Par­lament in Brüssel die Ausstellung „Echt gefälscht". Die bereits in Deutschland erfolgreiche Schau ist Teil einer vom Freistaat Sachsen un­terstützten Aufklärungskampagne für Hersteller, Händler und Verbrau­cher. Sie ist bis zum Freitag im EU-Parlament zu sehen.

„Damit wollen wir sowohl die Abgeordneten als auch die Besu­cher des EU-Parlaments für dieses äußerst brisante Thema sensibili­sieren", sagte der Hauptgeschäfts­führer der Ostdeutschen Textil-und Bekleidungsindustrie, Bertram Höfer. Fälschung und Vertrieb von textilen Markenprodukten seien Betrug am Kunden und schadeten der europäischen Wirtschaft er­heblich. Allein die sächsische Tex­til- und Bekleidungsbranche büße so jährlich rund fünf Millionen Euro Umsatz ein. Der Kunde, der seiner Meinung nach ein gutes Geschäft macht, schade unterm Strich sich selbst. Denn die ge­fälschten Produkte seien oftmals gesundheitsgefährdend. Und sie kosteten Arbeitsplätze. In der säch­sischen Textil- und Bekleidungsin­dustrie waren es allein in den vergangenen zehn Jahren insge­samt 1200.

Die mehrsprachige Ausstellung zeigt Gegenüberstellungen von Fälschungen und Originalen. So sind unter anderem Frottierwaren der Firma Jörg Brändl aus Geyer, Damast-Gewerbe der Firmen Curt Bauer aus Aue und Ertex Jaquard Rodewisch, Spitzendecken der Fun­ke Stickerei Eibenstock, Socken der Falke Strumpffabrik GmbH Zwö-nitz, sowie Berufsbekleidung der Güldi-Moden GmbH Limbach-Oberfrohna zu sehen.

Das große Geschäft machen nicht nur die Fälscher, sondern auch diejenigen, die die Waren billlig ein- und teuer verkaufen. Auch deutsche Firmen beteiligen sich daran. Das hat beispielsweise die Maxi-Strickmoden aus Chemnitz erfahren. Das Unternehmen mit 120 Mitarbeitern produziert Müt­zen, Schals und Handschuhe für Kinder und eine darauf abge­stimmte Strumpfkollektion. Zu­dem gehören schnitthemmende und hitzebeständige Arbeits­schutzhandschuhe sowie T-Shirt und Radler-Leggins zum Sorti­ment. „Die uns betreffenden Atta­cken kommen ursächlich nicht aus Asien sondern aus Deutschland. Unsere Muster wurden originalge­treu kopiert, in großen Stückzah­len in Billiglohnländern gefertigt und in Deutschland und Europa vertrieben", sagte Geschäftsführer Karl-Josef Gries.

Gefälscht wird mittlerweile fast alles: Textilien, Spielzeug, Küchen­geräte, Dekorationselemente und Medikamente. Selbst Autos wie der X5 des bayerischen Automobilherstellers BMW wurde von einer chi­nesischen Firma als würdig für das „abkupfern" befunden. Nach Schät­zungen der EU machen Fälschun­gen und Plagiate mittlerweile etwa zehn Prozent des Welthandels aus. Das entspricht einem geschätzten Umsatzausfall von 100 Milliarden Euro für die Hersteller. Exportlän­der wie Deutschland sind davon besonders betroffen.

 

Freie Presse, 26. Oktober 2010

 


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