AlarmierendVerlustreichGefährlichSchützenswert  
Produktpiraten kapern Arbeitsplätze in der Region

Sonderausstellung im Industriemuseum zeigt Originale und Fälschungen -

Firma Güldi-Moden büßt etwa 1,5 Millionen Euro Umsatz ein

 

„Echt gefälscht" heißt eine Son­derausstellung, die seit gestern im Industriemuseum zu sehen ist. Sie zeigt Erzeugnisse von Produktpiraten im Vergleich zu den Originalartikeln sächsi­scher Hersteller und beziffert den Schaden, der dadurch ver­ursacht wird. Zu den Leidtra­genden gehören auch Firmen aus der Chemnitzer Region.

 

Kapellenberg/Limbach-Oberfrohna. Auf einer Dienstreise nach Bangkok präsentierte Klaus Gülden­pfennig stolz den neuesten Katalog der Arzt- und Schwesternkleidung, die in seiner Güldi-Moden GmbH hergestellt werden. „Ein Vierteljahr später offerierten mir die Thailänder die gleichen Kleidungsstücke mit exakt denselben Schnitten, aber zu einem Drittel unseres Preises. Je­der Knopf sitzt an genau der glei­chen Stelle, nur der Stoff entspricht nicht unserer Qualität", berichtet der Geschäftsführer des Limbach-Oberfrohnaer Unternehmens.

„Auf alle Fälle 15 Arbeitsplätze", so versichert Güldenpfennig, könnte er schaffen, wenn ihm die Südostasiaten mit ihren Billigprodukten nicht einen Teil der potenziellen Kundschaft abspenstig machen würden. Mit zurzeit rund 30 Mitarbeitern erzielt Güldi-Moden 2008 rund vier Millionen Euro Umsatz. Das sind dem Geschäftsführer zufolge etwa 800.000 Euro mehr als im Vorjahr. „Etwa 1,5 Millionen Euro Umsatz büßen wir durch die Produktfälscher ein", sagt Güldenpfennig.

Zu den Kunden der Güldi-Modemacher zählen namhafte Krankenhäuser wie die Berliner Charite, die Unikliniken in Rostock und Magdeburg sowie Großwäschereien, bei denen die Kliniken Operationskittel und andere Hygienebekleidung mieten oder leasen. Auch Bedienstete des Königshauses von Abu Dhabi wurden von den Limbachern schon eingekleidet.

„Alle, die einmal bei uns Kunden waren, kehren nach Abstechern zur Billig-Konkurrenz wieder zu uns zurück", ist Güldenpfennigs Erfahrung. Der Qualitätsunterschied sei einfach zu groß und wiege den Preisvorteil mehr als auf. „Unsere Kleidungsstücke sind auch nach hundertfachem Waschen farbecht und reißfest. Weil sie links und rechts herum getragen werden können, brauchen sie nach dem Trocknen nicht von Hand gewendet zu werden und können gleich maschinell gelegt werden", zählt der Unternehmer auf.

Schwer davon zu überzeugen seien allerdings Kunden, die bei der Ausschreibung nur nach dem Einkaufspreis gehen. „OP-Kleidung ist ja Massenware. Ein Arzt braucht allein acht bis neun Anzüge pro Tag", weiß Güldenpfennig.

Neben der längeren Haltbarkeit führt er als Argument für sächsische Ware auch die Arbeitsbedingungen in Südostasien an. „Die haben zwar zum Teil modernere Maschinen als wir, aber für die Arbeiter steht als einzige ´Erfrischung´ ein Wassertank in der prallen Sonne. Und es wird aufgepasst, dass sich niemand zu oft etwas zu Trinken holt", beschreibt er.

Nach Angaben des Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textilindustrie erleidet die gesamte deutsche Wirtschaft durch Marken- und Produktfälschung jährlich Umsatzverluste von etwa 27 Milliarden Euro. Das entspräche etwa 70.000 Arbeitsplätzen.

Michael Brandenburg

 

Service:

Die Sonderausstellung „Echt gefälscht" ist bis zum 12. Januar 2009 im Textil-Bereich im Untergeschoss des Industriemuseums, Zwickauer Straße 119, zu sehen. Das Museum hat am 24. Dezember von 9 bis 13 Uhr, am 1. Januar von 13 bis 17 Uhr und ansonsten montags bis donnerstags 9 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen 10 bis 17 Uhr geöffnet

@ www.echtgefaelscht.de

 

Freie Presse, 19. Dezember 2008

 


Copyright © 2008 vti-online.de - Alle Rechte vorbehalten -