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„Echt gefälscht" nicht nur im Museum

(te) Die sächsische Textil- und Bekleidungsindustrie ist eine wettbewerbsfähige Branche, die auf technologische Entwicklungen setzt und damit auch international punktet. Trotzdem konnte die Branche 2008 das Wachstum der Vorjahre nicht weiter fortsetzen. „Es gab in diesem Jahr Licht und Schatten", erklärte Bertram Höfer, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie (vti). So rechnet der Verband mit einem Umsatzrückgang von einem Prozent. Dieser Rückgang kommt vor allem aus dem Modesektor, wobei der Branche vor allem die zunehmende Einfuhr von Plagiaten Sorgen macht. „Durch Marken-Produktpiraterie erleidet die sächsische Textil- und Bekleidungsindustrie jährlich Umsatzeinbußen in Höhe von fünf Millionen Euro", ärgerte sich Höfer. Das hat nach seinen Angaben in den letzten Jahren allein 1.200 Arbeitsplätze gekostet. Händler wie Kunden sollten deshalb derartigen kriminellen Machenschaften keinen Vorschub leisten und sich genau informieren, woher die Waren kommen.

Sogar Höfer selbst hat bereits in Chemnitz auf dem Ladentisch eines Textil-Fachgeschäftes Falke-Socken entdeckt. „Die kamen nur zwei Euro", erinnert er sich. „Ich bin damit gleich nach Dorfchemnitz in das Falke-Werk gefahren und die sind dort aus allen Wolken gefallen, denn es war eine Fälschung." Damals hat der Händler den „Nachbau" sofort aus dem Angebot genommen. So einfach geht es aber leider nicht immer. So erzählt Klaus Güldenpfennig, Inhaber der Güldi-Moden GmbH aus Limbach-Oberfrohna, dass seine OP-Bekleidungskollektion, die im Unternehmen speziell mit flachen Nähten zum beidseitigen Tragen entwickelt wurde, in Asien nachgenäht wurde. „Unsere Kleidung muss in der Wäscherei nicht umgewendet werden und sie ist aus hochwertigen Fasern", erklärt der Firmenchef. „Wir waren mit einem Katalog in Asien und ein Jahr später hatte eine Unternehmerin alle Produkte bis auf den Knopf genau nachgenäht und bot die Erzeugnisse zwei Drittel preiswerter und in niedrigerer Garnqualität zum Verkauf in Deutschland an."

Hier ist ein Verbot schwer. Es gibt nur ein „Good-Will“-Abkommen zwischen dem deutschen und dem chinesischen Branchenverband, das eine Ausfuhr der Fälschungen unterbinden soll. Einige diese „Fakes" werden auch vom Zoll entdeckt und konfisziert - dazu gehört auch eine angebliche Sympatex-Zollbekleidung bis hin zu den Schuhen, die auch eine Fälschung sind. Sympatex ist eine deutsche Marke, die für gute Atmungsaktivität und für zugleich Wetterfestigkeit steht. Bei den Fälschungen, die auf den ersten Blick echt aussehen, fehlt aber die innovative Ausstattung des Stoffes, so dass der Träger einfach schneller nass wird und fürchterlich schwitzt.

Wer Genaueres darüber wissen möchte, der kann die Wanderausstellung „Echt gefälscht" besuchen, die gegenwärtig im Sächsischen Industriemuseum in Chemnitz zu sehen ist.

 

Blitzpunkt, 3. Januar 2009

 

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