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Piraten kapern Spitzenprodukte aus dem Erzbebirge

Ob Stickereien, Damast oder Hightech-Socken: Immer häufiger wird erzgebirgische Qualitätsware dreist gefälscht.

 

VON MARIO ULBRICH

 

Aue-Schwarzenberg - Als Michael Bauer, der Geschäftsführer der Curt Bauer GmbH Aue, die Fälschung diese Woche seinen Kollegen aus der regionalen Textilbranche zeigen wollte, hatte er ein Problem. Das Etikett, das den Billig-Damast aus Fernost als "Original Curt Bauer" ausgab, fiel dauernd von der Verpackung. "Ich musste es erst mal festkleben. Nicht mal der Leim aus China hält." Er schmunzelte, obwohl er über ein Thema sprach, bei dem ihm als Unternehmer das Lachen vergeht: Die dreiste Fälschung einheimischer Produkte durch Billiganbieter.

 

"Nicht mal Leim aus China hält" Michael Bauer - Geschäftsführer


Die Firma Curt Bauer verkauft ihren Damast erfolgreich in Westafrika, sieht dich dort aber zunehmend durch Porduktpiraten bedrängt. "Chinesische Firmen haben vor Ort Büros aufgemacht", berichtet Michael Bauer. "Kommen wir mit neuen Mustern auf den Markt, kaufen Sie ein paar Stücke. Zirka sechs Wochen später werfen die Plagiate zum halben Preis auf den Markt."

Von solchen Praktiken können hahezu alle Textilunternehmer erzählen, die hochwertige Ware herstellen. "Ein chinesischer Produzent bot mir per E-Mail sogar Muster an, die er zuvor bei uns abgekupfert hatte", sagt Hartmut Funke, Geschäftsführer der gleichnamigen Stickerei aus Eibenstock. "Er wusste nicht, dass wir der Original-Hersteller sind."

Die Falke Strumpffarbrik Dorfchemnitz, die Hightech-Sportsocken produziert, sah sich mit einem besonders dreisten Coup konfrontiert: Ein Großhändler hatte es geschäfft, einen Riesenposten gefälschter Falke-Socken an eine Discount-Kette zu verramschen - deutschlandweit. "Natürlich hielten diese Socken nicht, was unsere Produkte versprechen", erklärt Geschäftsführer Joachim Gerhardt. "Das war ein beträchtlicher Imageschaden für uns. Denn sind die Socken nach dem dritten Waschen ausgeleiert, meint der Kunde doch, Falke ist Schrott.

Welchen materiellen Schaden Produktpiraterie anrichtet - das zu beziffern tun sich die Unternehmen schwer. Klaus Güldenpfennig von Güldi-Moden Limbach-Oberfrohna, wagt eine Schätzung: "Uns entgehen jährlich 1,5 Millionen Euro, weil Kunden nicht unser Original, sondern eine Fälschung kaufen. Hätte ich diesen Umsatz, könnte ich sieben Arbeitsplätze schaffen." Gemeinsam mit dem Verband der Nort-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie haben die Unternehmer in den zurückliegenden drei Jahren versucht, die Öffentlichkeit auf ihr Problem aufmerksam zu machen. Dazu wurde eine Wanderausstellung kreiert, die Originale und Fälschungen gegenüberstellt. Ende November endet dieses Projekt. "Es sollte unbedingt fortgesetzt werden", plädiert Jörg Brändl, Chef der Brändl Textil GmbH Geyer.


Die Ausstellung "Echt gefälscht" ist noch bis 30. November im Erzgebirgshotel "An der Kammloipe" in Johanngeorgenstadt zu sehen. >> www.echtgefaelscht.de


Auer Zeitung 19.10.2011

 


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