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Textilbranche auf Wachstumskurs

Die Betriebe des Kreises bilanzieren zusammen ein Umsatzplus von sieben Prozent

 

VON THOMAS WITTIG

 

Annaberg-Buchholz/Aue. Die Textilbranche im Erzgebirgskreis befindet sich auf Wachstumskurs. Entgegen dem allgemeinen Trend weist die Statistik für die ersten acht Monate dieses Jahres ein Umsatzplus von mehr als sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf. In absoluten Zahlen sind das fast 100 Millionen Euro, erläuterte gestern Bertram Höfer, Hauptgeschäftsführer des in Chemnitz ansässigen Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie (VTI), am Rande des 6. Branchentages in Annaberg-Buchholz. Höfer bezog sich dabei auf die etwa 70 Betriebe mit ihren rund 3000 Beschäftigten im Kreis, die die Bereiche Strumpf-, Posamenten- und Baumwollindustrie sowie Stickerei vertreten.

Für den Aufwärtstrend sorge der eingeleitete Umbruch. „Wir haben uns verabschiedet von der Massenproduktion. Die kann China besser. In Deutschland ist damit kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Unsere Überlebenschancen sind die Nischen", schilderte Michael Bauer von der Curt Bauer GmbH Aue. Als solche gilt die Fertigung von sogenannten technischen Textilien. Darunter werden alle Produkte zusammengefasst, die im technischen Bereich Einsatz finden, wie Dämmstoffe, Geo-textilien, Agrartextilien, Verpackungen oder auch Schutzbekleidung. Aber auch die Autoindustrie biete diesbezüglich ein großes Potenzial. „So handelt es sich zum Beispiel oftmals bei Radkästen um technische Textilien, obwohl die für viele aussehen wie Plastik", so Bauer. In Wirklichkeit sind es Kohlenstoff-Fasern, die mit textilen Fasern erstellt seien und anschließend verharzt werden.

Der Anteil der neuartigen Artikel am Gesamtvolumen der Produktion betrage in Ostdeutschland - das Gebiet, für das der VTI zuständig ist - inzwischen 42 Prozent. Die Tendenz ist steigend. Landrat Frank Vogel führt das vor allem auf die Innovationskraft der Branche zurück. Dafür wiederum verantwortlich zeichnet das Sächsische Textilforschungsinstitut Chemnitz, das gemeinsam mit den Firmen ständig an neuen Technologien und Produkten arbeite.

Eine wichtige Aufgabe für die Betriebe der Textilindustrie sei es ferner, ihre Marken zu etablieren. Nur so könne Geld verdient werden. „Namenlose Produkte stehen dagegen für billig und bringen entsprechend wenig Umsatz", so Bauer.

Apropos Marke. Ein großes Problem sei auch in der Textilbranche die Marken- beziehungsweise Produktpiraterie. Jährlich erleide die sächsische Textil- und Bekleidungsindustrie auf diese Weise Einbußen von rund fünf Millionen Euro. Plagiate kämen nicht mehr nur aus China, sondern inzwischen auch aus Ostblockländern.

 

Freie Presse, Auer Zeitung, 6. November 2009

 


 
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